Die Kabbalisten von Wien
Ausgabe Nr. 40 (2/2010) / Tammus 5770

Editorial

Liebe Leserin, Lieber Leser!

Sie halten die 40. Ausgabe von NU in den Händen, unsere Zeitschrift geht damit ins zehnte Jahr ihres Bestehens. Vieles hat sich seit der ersten Ausgabe verändert. Aus einem ambitionierten Amateurprodukt ist ein professionell gemachtes Medium geworden. NU liegt inzwischen in vielen Kaffeehäusern Wiens auf und wird in mehreren Trafiken verkauft (die genauen Verkaufsstellen finden Sie im Impressum). Über die Jahre gleich geblieben ist das Kernteam von NU: Gründer und Herausgeber Erwin Javor, Mitbegründer und Chefredakteur Peter Menasse, Mitbegründer und inzwischen nicht mehr nur gefragter NUsondern auch „Presse“- und „Standard“-Kolumnist Martin Engelberg sowie ORF-Journalistin Danielle Spera, inzwischen Direktorin des Jüdischen Museums in Wien. Größer und gewichtiger geworden ist der Kreis jener Journalisten, die für NU schreiben. Uns macht es stolz, dass wir unseren Lesern immer wieder neue prominente Gastautoren bieten können. Wir werten das als ein Zeichen dafür, dass wir uns nicht nur in Wiens jüdischer Gemeinde, sondern auch auf dem – nicht gerade dicht besetzten – österreichischen Qualitätspressemarkt etabliert haben.

Ein weiteres Beispiel dafür lesen Sie in diesem Heft. Der bekannte Kurier-Kolumnist („Geschichten mit Geschichte“) und Buchautor Georg Markus hat für uns exklusiv in seinem Archiv nach Erinnerungen an Treffen mit großen jüdischen Persönlichkeiten gekramt. Herausgekommen ist ein so feines wie kurzweiliges Stück Lesestoff, das mindestens so viel Sprachwitz hat wie einige der Porträtierten. Wenn Sie am Ende des Artikels denken, „Da hätte ich gerne noch mehr gelesen“, erging es Ihnen nicht anders als uns. Ich darf Sie auf die nächste NU-Ausgabe vertrösten. In dieser wird Markus uns eine Fortsetzung seiner „Begegnungen mit ganz normalen jüdischen Genies“ liefern.

Zu einem nicht mehr wegzudenkenden Mitglied der NURedaktion ist auch Rainer Nowak geworden, der es trotz seiner auch nicht gerade unterfordernden Tätigkeit als Chefredakteur der „Presse am Sonntag“ und Chronik-Ressortleiter der „Presse“ jedes Mal schafft, für uns etwas zu schreiben. Diesmal hat er die Gastronomin Haya Molcho getroffen, um mit ihr über ihre weiteren Expansionspläne rund um ihr Lokal Neni am Naschmarkt zu sprechen. Eine Reportage über King David am Volkertmarkt ergänzt unseren Schwerpunkt im Ressort Wien. Die Covergeschichte liefert Martin Engelberg. Er hat sich dem Phänomen Kabbala angenommen, das nicht nur Hollywood- Stars fasziniert, sondern auch in Wien eine eingeschworene Anhängerschaft hat. Einfach war seine Recherche sicherlich nicht, führte sie ihn doch mitten in der Nacht zu einer Séance von Kabbala-Anhängern im Zentrum „Baum des Lebens“. Nicht immer hat alles, was unter Kabbala angeboten wird, auch wirklich mit der jüdischen Geheimlehre zu tun, musste Engelberg feststellen. Wenig bekannt ist, dass auch ein hochrangiger Gelehrter der Kabbala in Wien lebt. Engelberg hat Rabbiner Chaim Malowicki getroffen und mit ihm über die Unterschiede in der Auslegung dieser – für Nichteingeweihte – nicht ganz einfach zu verstehenden – Religionstheorie gesprochen. Ein aufklärender Text.

Neu in unserem Team ist Andrea Dusl. Die bekannte Illustratorin und Buchautorin wird ab sofort Erwin Javors Kolumne „Mammeloschn“ mit ihren Zeichnungen kongenial ergänzen. Neu ist auch die Serie „Erzählen Sie mir“, in der unsere Mitarbeiterin Ruth Eisenreich Jüdinnen zu ihren Erfahrungen im Nachkriegsösterreich befragt. Es sollen generationsübergreifende Gespräche sein, und sie drehen sich bewusst um die Ereignisse nach 1945. Damit wollen wir einen Beitrag zur jüdischösterreichischen Oral History liefern.

Ich könnte an dieser Stelle noch auf viele andere lesenswerte Texte in diesem NU hinweisen und die Namen vieler Autoren erwähnen. Ich möchte die verbleibenden Zeilen aber dafür nutzen, mich bei Ihnen zu bedanken. Denn jede Zeitschrift kann nur so erfolgreich sein, wie ihre Leser ihr treu sind. Wir haben auf unseren Brief, der im letzten NU beilgelegt war, nicht nur zahlreiche Geldüberweisungen bekommen, sondern auch viele persönliche Dankesbriefe. Das ehrt uns besonders, weil es uns zeigt, dass Ihnen NU am Herzen liegt.

Einen schönen Sommer wünscht

Barbara Tóth
Stellvertretende Chefredakteurin

Zuschriften an office@nunu.at oder Arbeitsgemeinschaft jüdisches Forum: 1011 Wien, Postfach 1479

Falls Sie NU Spenden zukommen lassen wollen: BA-CA (BLZ 12000), Nummer 08573 923 300.

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ARTIKEL:
» Begegnungen mit ganz normalen jüdischen Genies
» Hayas Markt
» King David
» Ich sehne mich nach Dir, Jude!
» Der Geschichtenerzähler aus Bockov
» Norwegische Kollaboration
» „Ossi, schnell, Papier!“
» Maschu, nicht meschugge
» Alte Römer und der Papst
» Die Kabbalisten von Wien

INTERVIEW:
» Von fremden Ländern, enttäuschten Erwartungen und offenen Mistkübeln
» Ewigen Genuss verspüren
» A grojsser Fisch in a klejnem Wasser

KOLUMNE:
» Von NU zu Nudnik
» Gefüllt, gekocht, gesulzt und gegessen
» Zwischen den Stühlen
» Alle in der Falle
» Politiker aller Welt, auf zur Klagemauer

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